Die jüngste Stellungnahme des Vereins „Unser Steigerwald“ zum Holzeinschlag im Hohen Buchenen Wald bei Handthal greift aus Sicht des Vereins Nationalpark Steigerwald e.V. deutlich zu kurz und verkennt zentrale naturschutzfachliche Zusammenhänge.
Der wiederholte Verweis auf einen unter dem jährlichen Zuwachs liegenden Hiebsatz ist kein überzeugendes Argument für ökologische Nachhaltigkeit. Entscheidend ist nicht die statistische Holzmenge, sondern die Frage, wo und welche Bäume gefällt werden. Werden alte, starke Buchen in besonders wertvollen Waldteilen entnommen, ist der ökologische Verlust erheblich – unabhängig davon, wie gering der Gesamteinschlag ausfällt. Solche Bäume sind über Jahrhunderte gewachsene Lebensräume und lassen sich weder kurzfristig ersetzen noch „nachpflegen“. Die Entstehung von alten Wäldern wird mit diesem Vorgehen leider verhindert.
Ob der Forstbetrieb mit derartigen Einschlägen überhaupt Gewinn macht, ist ohnehin sehr fraglich. Auch der Verweis von „Unser Steigerwald“ auf frühere gerichtliche Entscheidungen zur Schutzgebietsausweisung führt in die Irre. Die juristische Bewertung betraf formale Fragen und nicht die ökologische Bedeutung. Dem Geschützten Landschaftsbestandteil „Hoher Buchener Wald“ wurde bei der Aufhebung vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof die „zweifelsfreie Schutzwürdigkeit“ ausdrücklich bestätigt, lediglich die Schutzkategorie sei falsch gewählt.
Die staatlichen Buchenwälder im Nordsteigerwald sind übrigens seit 2006 als Bayerns bestes Gebiet für das UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwälder bewertet. Das ist eine Riesenauszeichnung! Mit einem nutzungsfreien Schutzgebiet, wie dem Nationalpark, könnte der Steigerwald bereits seit 15 Jahren zum Weltnaturerbe gehören.
Den Steigerwald einfach weiter zur Holzernte zu nutzen, ist an seinem Talent vorbei genutzt.
Nationalparke gibt es nur 16 in ganz Deutschland – zwei in Südbayern und hochgelobt von der Staatsregierung. Der Steigerwald wäre der erste in Nordbayern und der erste im Buchenmischwald. Er zählt zu den letzten und besten großflächigen Laubmischwäldern Deutschlands.
Das Trittsteinkonzept des Forstbetriebs Ebrach soll einigen Arten erlauben über Altholz-Inselchen durch den für sie wüstenartigen Wirtschaftswald von einem großen Naturwald zum nächsten zu wandern. Es ist ein fortschrittliches Konzept für bewirtschaftete Wälder, kann einen Nationalpark jedoch weder in seiner Wirkung für die Natur, noch für die Region ersetzen. Neben der Kernfläche des Nationalparks könnte der Forstbetrieb Ebrach die anderen Flächen weiterhin nach dem Trittsteinkonzept bewirtschaften. Beides soll sich ergänzen! Obwohl laut seriösen Umfragen 75% der hiesigen Bevölkerung für den Nationalpark sind, stellt sich die Frage, warum der Verein „Unser Steigerwald“ immer wieder vehement dagegen kämpft. Liegt das an seiner Nähe zur Holzwirtschaft? Will man verhindern, dass die Option Nationalpark für die Region neutral geprüft und die Bevölkerung sachlich informiert wird?
Der Verein Nationalpark Steigerwald e.V. fordert deshalb erneut die Ausweisung eines Nationalparks im Steigerwald. Nur ein Nationalpark gewährleistet den dauerhaften Schutz der ökologisch wertvollsten Buchenwälder, ermöglicht natürliche Waldentwicklung und schafft langfristige Sicherheit für Naturschutz, den Klimaschutz und für kommende Generationen.