Das Rothaargebirge ist ein Mittelgebirge in Nordrhein-Westfalen und Hessen; ein Teilgebirge des Rheinischen Schiefergebirges. Foto: Teta, CC BY-SA 3.0

Diskussion um Nationalpark im Rothaargebirge – auch für den Steigerwald ein interessantes Signal

Im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein könnte die Diskussion um einen neuen Nationalpark noch einmal Fahrt aufnehmen. Landrat Andreas Müller hat vorgeschlagen, die Idee eines Nationalparks am Rothaarkamm zwischen Lützel und Hainchen erneut zu prüfen und gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen weiter auszuloten.

Bereits im Jahr 2024 hatte sich der Kreistag gegen eine Teilnahme am damaligen Verfahren der Landesregierung zur Einrichtung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen entschieden. Ausschlaggebend waren vor allem die kurze Frist und viele noch offene Fragen. Gleichzeitig war aber auch klar: Das Thema sollte nicht endgültig beendet sein, sondern zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gründlich diskutiert werden.

In den vergangenen Monaten hat die Kreisverwaltung deshalb Gespräche mit dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium geführt und verschiedene fachliche Fragen geklärt. Nun soll erneut darüber beraten werden, ob ein Nationalpark im Rothaargebirge eine Chance für die Region darstellen könnte.

Landrat Müller hebt dabei insbesondere die möglichen Vorteile für Natur, Gesellschaft und regionale Entwicklung hervor. Ein Nationalpark könne hochwertige Naturerlebnisse ermöglichen, Umweltbildung stärken und gleichzeitig ein wichtiger Impuls für Tourismus und regionale Wertschöpfung sein. Erfahrungen aus anderen Regionen zeigten, dass Nationalparks nicht nur dem Naturschutz dienen, sondern auch wirtschaftliche Chancen eröffnen – etwa durch Besucherzentren, Tourismusangebote, Forschung oder neue Arbeitsplätze im Rangerwesen und in der Umweltbildung.

Auch mit Blick auf Klima und Umwelt sieht der Landrat große Potenziale: Große, naturnahe Waldgebiete könnten helfen, Kohlendioxid langfristig zu speichern, das regionale Klima zu stabilisieren und den Wasserhaushalt zu sichern. Intakte Wälder wirkten ausgleichend bei Hitzeperioden, verbesserten die Luftqualität und könnten sowohl Hochwasser- als auch Dürrerisiken abmildern.

Gerade diese Argumente sind auch im Zusammenhang mit der Diskussion um einen Nationalpark im Steigerwald bemerkenswert. Viele der Punkte, die nun im Rothaargebirge als Chancen genannt werden – Naturerlebnis, regionale Entwicklung, Klimaschutz und Tourismus – werden von Fachleuten seit Jahren auch für den Steigerwald hervorgehoben.

Der Verein Nationalpark Steigerwald e.V. begrüßt daher grundsätzlich, dass in anderen Regionen Deutschlands weiterhin über neue Nationalparks nachgedacht wird. Nationalparks sind international anerkannte Schutzgebiete und wichtige Bausteine für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

Zugleich zeigt die Diskussion im Rothaargebirge, dass politische Entscheidungsträger durchaus offen über die Chancen eines Nationalparks sprechen können. Aussagen wie die des Landrats, ein Nationalpark sei weit mehr als ein Schutzgebiet und könne ein wichtiger Entwicklungsimpuls für eine Region sein, lassen sich in vielen Punkten auch auf den Steigerwald übertragen.

Man könnte sich daher wünschen, dass auch in Bayern manche politischen Debatten ähnlich vorurteilsfrei geführt würden.

In Siegen-Wittgenstein sollen nun verschiedene Arbeitsgruppen Grundlagen und Rahmenbedingungen eines möglichen Nationalparks prüfen. Am Ende wird der Kreistag entscheiden, ob das Projekt umgesetzt wird.

Die Diskussion zeigt: Die Idee neuer Nationalparks bleibt in Deutschland aktuell.